HHC einfach erklärt: Was steckt dahinter?
Was ist eine Galaxie?
Bevor wir Ăźber konkrete Zahlen sprechen, lohnt sich ein Blick auf die Grundlagen: Eine Galaxie ist ein gewaltiges System aus Sternen, Gas, Staub und Dunkler Materie, das durch Gravitation zusammengehalten wird. Galaxien unterscheiden sich in ihrer GrĂśĂe, Form und Zusammensetzung. Allen gemeinsam ist jedoch, dass sie aus einer groĂen Anzahl von Sternen bestehen, die um ein gemeinsames Zentrum kreisen.
Unsere eigene Galaxie, die MilchstraĂe, ist spiralfĂśrmig: Ein dichtes Zentrum wird von geschwungenen Armen aus Sternen, Gas und Staub umgeben. Daneben gibt es elliptische, unregelmäĂige und linsenfĂśrmige Galaxien, die Ăźber enorme Distanzen im All verteilt sind.
Das beobachtbare Universum als Grenze
Wenn von der Anzahl der Galaxien âim Universumâ die Rede ist, beziehen sich Experten damit meist auf das beobachtbare Universum â also jenen Teil, den wir von der Erde aus sehen kĂśnnen. Diese Grenze ergibt sich aus der Lichtgeschwindigkeit und der Zeit, die seit dem Urknall vergangen ist.
Das beobachtbare Universum erstreckt sich Ăźber rund 93 Milliarden Lichtjahre. Das bedeutet: Das Licht der entferntesten Objekte, die wir wahrnehmen kĂśnnen, hat seit Beginn der Zeit genau diese Strecke zurĂźckgelegt.
Innerhalb dieses riesigen Horizonts schätzen Astronominnen und Astronomen, dass es mehr als 100 Milliarden Galaxien gibt. Die tatsächliche Zahl kÜnnte jedoch deutlich hÜher liegen, wenn wir auch jene Bereiche des Universums berßcksichtigen, die wir (noch) nicht beobachten kÜnnen.
Der Einfluss der Expansion des Universums
Ein zentraler Grund, weshalb die genaue Anzahl so schwer zu bestimmen ist, liegt in der Expansion des Universums. Seit dem Urknall dehnt sich der Raum kontinuierlich aus â und damit entfernen sich die Galaxien zunehmend voneinander.
Das hat unmittelbare Folgen fĂźr unsere Beobachtungen: Wir sehen weit entfernte Galaxien nicht so, wie sie jetzt sind, sondern so, wie sie waren, als sich ihr Licht auf den Weg machte. Während der Lichtreise dehnt sich der Raum selbst weiter aus. Dadurch dehnen sich auch die Lichtwellen. Die Abstände vergrĂśĂern sich und damit die Wellenlänge, die sich in Richtung Rot verschiebt. Dieser Effekt ist als Rotverschiebung bekannt.
Im Klartext heiĂt das: Je weiter weg eine Galaxie ist, desto stärker wurde ihr Licht unterwegs gedehnt und desto rĂśter (schwächer) kommt es bei uns an. Dadurch wird es zunehmend schwieriger, sehr weit entfernte Galaxien nachzuweisen.
AuĂerdem gibt es kosmische Horizonte. Das sind Regionen, aus denen uns Licht grundsätzlich nicht (mehr) erreichen kann.
Wie zählt man Galaxien?
Galaxien zu zählen ist alles andere als trivial â nicht nur wegen der enormen Entfernungen, sondern auch wegen der Grenzen unserer Instrumente. Dennoch nutzen Astronominnen und Astronomen Methoden, mit denen sich die Zahl der Galaxien abschätzen lässt. Grundlage sind vor allem Teleskopbeobachtungen und mathematische Modelle.
Teleskope und Himmelsdurchmusterungen
Eine der wichtigsten Methoden sind Aufnahmen und systematische Himmelsdurchmusterungen mit leistungsfähigen Teleskopen. Das Hubble-Weltraumteleskop liefert beispielsweise detaillierte Bilder groĂer Himmelsregionen, auf denen in einer einzigen Aufnahme bereits Tausende von Galaxien erkennbar sein kĂśnnen.
Hinzu kommen sogenannte Tiefenfeld-Beobachtungen wie das Hubble Deep Field: Dabei richten Experten das Teleskop Ăźber lange Zeit auf einen winzigen Bereich des Himmels. Das Ergebnis ist ein Blick in enorme Entfernungen â und damit auch in weit zurĂźckliegende Epochen â, der eine Ăźberraschend groĂe Zahl ferner Galaxien sichtbar macht, von denen einige bereits vor Milliarden von Jahren existierten.
Ergänzend helfen Computermodelle dabei, Schätzungen ßber die Anzahl von Galaxien in weit entfernten Regionen vorzunehmen, die bislang noch nicht beobachtet werden konnten.
Warum viele Galaxien âunsichtbarâ bleiben
Dass wir eine Vielzahl an Galaxien nicht beobachten kĂśnnen, hat mehrere GrĂźnde â vor allem ihre extreme Entfernung und die Art, wie sich Licht im expandierenden Universum verhält. Wie bereits erwähnt, verschiebt sich das Licht ferner Galaxien aufgrund der Expansion zu längeren Wellenlängen und kann damit auĂerhalb des sichtbaren Spektrums liegen.
Zudem kÜnnen Galaxien hinter Gas- und Staubwolken verborgen bleiben, die ihr Licht abschwächen oder blockieren. Andere wiederum sind so klein oder lichtschwach, dass sie mit heutigen Teleskopen nicht sicher nachgewiesen werden kÜnnen.
Galaxien im frĂźhen Universum: kleiner, chaotischer, aktiver
Ein Blick zurßck in die kosmische Vergangenheit zeigt: Galaxien sahen nicht immer so aus wie heute. Im frßhen Universum waren sie oft kleiner, chaotischer und deutlich aktiver. Diese frßhen Galaxien, die sich nur wenige hundert Millionen Jahre nach dem Urknall bildeten, wuchsen schnell, verschmolzen häufiger miteinander und sammelten Gas intensiver an als moderne Galaxien.
Die starke Sternentstehung und häufigeren Kollisionen machten diese jungen Galaxien besonders hell und dynamisch. Aufgrund der groĂen Entfernung und der Expansion des Universums liegen diese ursprĂźnglichen Galaxien jedoch auĂerhalb dessen, was wir derzeit beobachten kĂśnnen.
Dunkle Materie und galaktische Halos
Die Dunkle Materie spielt eine entscheidende Rolle bei der Entstehung und der Verteilung von Galaxien. Zwar ist sie nicht direkt sichtbar, doch ist bekannt, dass sie eine starke gravitative Wirkung ausĂźbt: Sie hilft, Galaxien zusammenzuhalten, und beeinflusst, wie sich Galaxien im Universum zu grĂśĂeren Strukturen zusammenfinden.
Es wird angenommen, dass die meisten Galaxien von ausgedehnten Halos aus Dunkler Materie umgeben sind. Diese Halos prägen nicht nur die Gravitation, sondern auch die Entwicklung der Galaxien. Sie kĂśnnen sogar mehr Masse enthalten als die sichtbaren Sterne und das sichtbare Gas â und wirken damit stark auf die galaktische Dynamik.
Werden wir jemals die exakte Zahl kennen?
Trotz aller Fortschritte sind wir nur in der Lage, einen kleinen Bereich des Universums zu beobachten. Die Expansion des Universums, technologische Grenzen und die grundsätzlichen Schwierigkeiten, extrem weit entfernte Galaxien zu erfassen, machen eine exakte Zählung nahezu unmÜglich.
NatĂźrlich entwickeln sich Technik und Methoden weiter â etwa durch Instrumente wie das James-Webb-Weltraumteleskop. Dadurch kĂśnnten kĂźnftige Beobachtungen ein genaueres Bild liefern. Bis dahin bleiben Schätzungen die beste Annäherung, allerdings kĂśnnte die tatsächliche Zahl der Galaxien deutlich grĂśĂer sein, als erwartet.